2004Der Grundstein wird gelegt

„Die Erneuerung lässt sich nur steuern über Spielregeln und Visionen.“

(Jürgen Kluge, ehemaliger Leiter von McKinsey in Deutschland in einem Interview mit DIE ZEIT, Nr. 4/2004)

Verbandsgeschichte

Vom Kontakte-Netzwerk zum Verbandseintrag

Es war im April 2004 als die managerSeminare Verlags GmbH das erste Sonderheft zum Thema „Coaching“ herausgab. Sieben deutschsprachige Coaching-Vereinigungen wurden darin vorgestellt. Darunter zählte zum einen die „Interessensgemeinschaft Coaching“ (IGC) – ein von Christopher Rauen 2002 ins Leben gerufenes loses Netzwerk, das vor dem Hintergrund eines Buch-Projektes* entstand. Zum anderen wurde der neu gegründete Deutsche Bundesverband Coaching e.V. darin genannt, der am 10. Januar 2004 auf Initiative von Christopher Rauen und Uwe Böning zusammen mit einigen Mitgliedern der IGC entstand. Christopher Rauen, damals wie heute Vorstandsmitglied des DBVC, erinnert sich: „Als das Buch fertig war, wäre es schade gewesen, die Kontakte brach liegen zu lassen. So kam es zur Interessensgemeinschaft Coaching, im Grunde war sie ein Vorläufer für den DBVC.“ Die IGC mit 64 Mitgliedern löste sich mit der Gründung und Etablierung des DBVC langsam auf. Viele IGC-Mitglieder sind heute im DBVC.

Mitgestalten im Dialog mit allen Beteiligten

Tragender Gedanke der Gründungsmitglieder des DBVC war von Anfang, eine Branche mitzugestalten, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm an Entwicklungsgeschwindigkeit zugelegt hatte und vermutlich weiter zulegen würde. Es galt, ein „Berufsbild Coach“ zu entwerfen und zu prägen und das im Idealfall gemeinsam mit allen für eine „Professionsbildung“ elementaren Parteien. Den Markt im Zusammenwirken von Praktikern, Ausbildern, Akademikern und Organisationen essentiell mitgestalten – das war die Vision von Anfang an. Mit diesem Leitgedanken war das Fundament geschaffen, auf dem der DBVC nach wie vor aufbaut: Das „Vier-Säulen-Konzept“, bestehend aus Coaches, Aus- und Weiterbildern, Wissenschaftlern und Unternehmen.

 

Im Frühjahr 2004 eröffnete der neu gegründete Verband das Aufnahmeverfahren für neue Mitglieder. Verbandsintern gingen der Bekanntmachung und Durchführung des Bewerbungsverfahrens für den „Coach“ und „Senior Coach“ intensive Gespräche und Diskussionen voraus, die Antworten auf Grundsatzfragen wie „Was ist Coaching?“ oder „Was macht einen seriösen Coach aus?“ geben sollten. Die Gründungsphase war arbeitsintensiv und lohnend gleichermaßen: Ende des Jahres 2004 hatte der DBVC bereits 22 Mitglieder, über 200 Personen interessierten sich für eine Mitgliedschaft.

Brancheneinblick

Der Markt war in Bewegung wie nie zuvor

Ganz überraschend war das enorme Interesse an einem Coaching-Verband, der sich für Standards und Qualitätskriterien einsetzt, nicht. Ein Blick auf den Coaching-Markt nach der Jahrtausendwende zeigt, dass mehr und mehr Trainer, Ausbilder, Therapeuten, Psychologen, Supervisoren, Organisationsentwickler, Unternehmensberater und Co. Coaching mit in ihr Kompetenz-Repertoire aufnahmen. Der Wettbewerbs- und Konkurrenzdruck nahm so untereinander deutlich zu und brachte z.T. sehr fragwürdige Auswüchse zum Vorschein. In Presseberichten von 2004 liest man in Bezug auf die Branche von „Wildwuchs“, „Branchenmief“, „Berater-Dschungel“, der „Coaching-Bande“ und „Mogelpackungen“ – viele eher wenig positiv assoziierte Schlagworte. Der Coaching-Branche wurde sogar vorgeworfen, eine Gefahr für den guten Ruf der etablierten Trainer-Branche darzustellen.

Die Bedeutung von Coaching für die Personalentwicklung einerseits und die Weiterbildungsbranche anderseits wurde zwar erkannt, wurde jedoch nicht unbedingt anerkannt. Ähnlich dem Ansehen der Psychotherapie in der Gesellschaft erging es Coaching in der Business-Welt: Coaching ja, darüber reden lieber nicht. In den USA und England galt das In-Anspruch-Nehmen eines Coachs als Leistungswürdigung; in Deutschland wurde es mit Führungsschwäche gleichgesetzt. Offenbar tat es vielen gut, nur keiner redete wahrnehmbar darüber. Coaching hatte sich so in seinen Aufbruchszeiten in Deutschland eher lautlos herumgesprochen – und das sowohl auf der Nachfrager- als auch auf der Anbieterseite.

Eine Branche mit Visionen und fehlenden Standards

Der Coaching-Begriff war schließlich in aller Munde, doch die Wenigsten konnten wirklich sagen, was Coaching eigentlich ist. Zu wenig war über den seriösen Coach bekannt und zu viele unseriöse profitierten mit fragwürdigen Methoden vom guten Image des Coachings. Nicht nur die Führungskräfte brauchten Orientierung im täglichen, komplexen Führungsalltag, auch die Coaching-Branche selbst musste anfangen, sich zu ordnen. Mit dem ersten deutschsprachigen Branchen-Kongress im Herbst 2003 in Wiesbaden, welcher von der Sektion Wirtschaftspsychologie des Bundesverbandes Deutscher Psychologen und Psychologinnen e.V. (BDP) initiiert wurde, wurde eben das schnell klar: Die Branche boomt und braucht dringend Aufklärung und Spielregeln. Die Gründung eines Organs wie dem DBVC zur Förderung der Professionalisierung der Branche war ein folgerichtiger Schritt.

Markteinblick

Coaching auf dem Weg nach Europa

Business Coaching fand als Nischenangebot in den 1980er Jahren den Weg aus den Vereinigten Staaten nach Europa. Ein Nischenangebot von einzelnen Beratungsspezialisten an Top-Manager, die im verantwortungsvollen Führungsalltag zwar Probleme erkannten, deren Ursachen- und Lösungsfindung jedoch wegen fehlender objektiver Feedbacks größtenteils verborgen blieb. Coaching galt zu dieser Zeit als exotisch und sorgte dennoch oder gerade deshalb für viel Aufsehen: Spezifische Probleme, die auf interne Führungsprobleme und -schwächen im Unternehmen hinweisen könnten, mit einem externen, unabhängigen Berater zu besprechen, muss wohl in den Ohren der Top-Management-Ebene wie das Offenlegen von "Betriebsgeheimnissen" geklungen haben – welch ein Tabu! Die Aufmerksamkeit hatte Coaching allemal auf seiner Seite und mehr noch: Es entwickelte sich in den nächsten Jahrzehnten vom Makel zur Notwendigkeit in den europäischen und deutschen Unternehmen.

Die Zeit war reif für den Coach als Prozessbegleiter

Um die Jahrtausendwende schließlich ist das Business Coaching zu einem ernstzunehmenden Instrument der Führungskräfteentwicklung in der Unternehmenswelt herangewachsen. Dazu beigetragen hatte zum einen die aufstrebende Erkenntnis, dass immaterielle Werte systematisch mit dem Unternehmenserfolg in Verbindung stehen, was 2004 nicht zuletzt darin zum Ausdruck kam, dass der Begriff „Humankapital“ zum Wort des Jahres gewählt wurde. Zum anderen wurde erkannt, dass in einer sich globalisierenden Welt, in der Veränderung das einzig Stetige zu sein scheint, die Anforderungen an Führungskräfte ebenso wandelbar sein mussten. Alleiniges, zeitlich begrenztes Training zum Schließen von Wissenslücken reichte nicht mehr aus. Der Coach als Prozessbegleiter war gefragt und der war nach der Jahrtausendwende nun nicht mehr nur Top-Managern vorbehalten.

Kurz und bündig: Das Verbandsjahr

Der Grundstein war gelegt: Vor dem Hintergrund der rasanten und z.T. kontroversen Markt- und Branchenentwicklung bis zur Jahrtausendwende entstand im Januar 2004 aus einem losen Kontakte-Netzwerk eine engagierte Interessensvereinigung, die es sich zum Ziel machte, die Coaching-Branche von Anfang an mitzugestalten und ihr einen wegweisenden Kristallisationspunkt zu geben – der Deutsche Bundesverband Coaching e.V. war gegründet!

Und was ist noch passiert? 

+++Das Unwort des Jahres 2004 lautete „Humankapital“+++Auf dem Mars wurde Wasser entdeckt+++Die Queen Mary 2 wurde getauft+++Facebook wurde von Mark Zuckerberg gegründet+++Die Tabaksteuer in Deutschland wurde erhöht+++Horst Köhler wurde Bundespräsident+++Die Hartz-IV-Montagsdemonstrationen starteten+++Die Bush-Regierung räumte ein, keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden zu haben+++George W. Bush wurde zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt+++Die neue Rechtschreibreform war in der Debatte+++

Wussten Sie eigentlich, dass …

… Facebook und der DBVC eine Gemeinsamkeit haben? Nicht nur der Deutsche Bundesverband Coaching e.V. feiert nämlich am 10. Januar 2014 seinen zehnten Geburtstag, auch das Netzwerk-Unternehmen Facebook erblickte im Winter 2004 an der Harvard University in den USA das Licht der Welt. Mit etwas zeitlicher Verzögerung sprach sich das Netzwerken via Facebook schließlich auch in Europa herum und wurde relativ schnell zum Must-have und Must-do für die zwischenmenschliche Kommunikation.

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