2008Die "neu entdeckte" Branche

„Willkommen zum Coaching-Diskurs!“

(Titelspruch der Beilage zum DBVC Coaching-Kongress 2008 im Weiterbildungsmagazin managerSeminare im September 2008, Heft 126)

Verbandsgeschichte

Einladung zur Selbstreflexion

„So ist es erfreulich, dass der DBVC inzwischen selbst zum Ausrichter des Coaching-Kongresses geworden ist“, war im Vorwort zur Sonderbeilage des Magazins managerSeminare zum DBVC Coaching-Kongress 2008 zu lesen. Als alleiniger Ausrichter des Coaching-Kongresses organisierte der DBVC fünf Jahre nach dem ersten Coaching-Kongress (siehe Jubiläumsblog zum Gründungsjahr 2004) das Branchenereignis schlechthin im Jahre 2008. Zwei Tage Input, Ideen, Vernetzung und Diskussionen zum Kongressmotto „Welche Rolle spielt der Coach?“. Die Erwartungen waren groß, die Resonanz ebenso. Über 350 Besucher kamen zum Event nach Potsdam und mehr als 30 profilierte Branchen-Experten waren live zu erleben. Der Kongress war eine Einladung des Verbandes zur Selbstreflexion und so wurde er auch verstanden und gewürdigt. Qualitativ auf hohem Niveau fiel dann insbesondere das selbstbewusste Auftreten der Branchenvertreter positiv auf – eine Eigenschaft, die 2004 noch eher belächelt wurde.

Qualitätsdialog + Qualitätskonferenz = Qualitätsstandards

Neben dem Coaching-Kongress 2008 gab es noch weitere anzuerkennende Leistungen, die der DBVC der Coaching-Öffentlichkeit in dem Verbandsjahr präsentieren konnte: Einen Tag nach dem Coaching-Kongress konnte die DBVC Mitgliederversammlung die Neufassung der Qualitätskriterien für Weiterbildungsanbieter verabschieden. Für den Qualitätsdialog und die Erarbeitung von Kriterien wurde ein eigenes Gremium ins Leben gerufen – die „Qualitätskonferenz der Coaching-Weiterbildungsanbieter“, die bis heute zweimal jährlich stattfindet und jedes vom DBVC anerkannte Weiterbildungsinstitut zur mindestens einmaligen Teilnahme im Jahr verpflichtet. Bereits in der Gründungszeit legte der DBVC Kriterien zur Qualität von Coaching-Weiterbildungen vor, die z.T. heftig kritisiert wurden. Nun lagen statt der 2004 erarbeiten 15 Qualitätskriterien 30 konkret formulierte Standards vor, die dem Ausbildungsmarkt Orientierung geben sollten. Dass selbst die bis dahin vom DBVC anerkannten Weiterbildungsanbieter diese nicht en détail erfüllten, hatte gute Gründe: Ein „Ausruhen auf Lorbeeren“ wollte man zugunsten der Qualitätssicherung unbedingt vermeiden.

Brancheneinblick

Aufklärung durch Medienpräsenz

Wenn man ein Startjahr dafür festlegen möchte, wann Coaching zu einem brisanten Thema der (Fach-)Öffentlichkeit wurde, dann das Jahr 2008. Während die bisherige Medienberichterstattung eher vorsichtig bis zuversichtlich über die „boomende“ Branche schrieb, wird mit dem Instrument Coaching in jenem Jahr nüchtern bis hartnäckig verhandelt: Was kann Coaching eigentlich? Wie effektiv lassen sich damit welche Ziele erreichen? Wie funktioniert es überhaupt? Warum heißt es eigentlich nicht Training oder Therapie? Gibt es Risiken und Nebenwirkungen? Wie kommt es, dass die Verbandslandschaft so vielfältig ist? Lässt sich Professionalität überhaupt erkennen im nebulösen Dickicht von Vielversprechern, Quacksalbern und Selbstdarstellern? Mit der „neu entdeckten“ Branche wurde mitunter hart ins Gericht gegangen. Doch allen kritischen Fragen und schonungslosen Unterstellungen zum Trotz – der medialen Aufmerksamkeit lag ein grundlegend positiver Antrieb zugrunde: Es musste aufgeklärt werden über die nicht mehr wegzudenkende neue Zunft, denn „noch nie wurden Menschen so intensiv und in so unterschiedlichen Bereichen gecoacht wie heute“, schrieb Jochen Mai, ehemaliger Leiter des Ressorts „Management und Erfolg“ der WirtschaftsWoche im November 2008 in einer zweiteiligen Titelreihe zum Thema Coaching.

Coaching-Know-how in den Unternehmen steigt

Coaches in Unternehmen waren mittlerweile häufig gesehene Gäste. Und gerade die Manager und Personaler, die viel Wert auf die Beziehungsqualität zu ihren Berater-Besuchern legten, guckten schärfer auf die Gäste-Auswahl. Zwar lebte die Branche nach wie vor sehr stark vom Leumund eines Coachs, doch eine genaue Überprüfung des Coachs auf Passgenauigkeit in fachlicher, sozialer und Preis-Leistungs-Hinsicht fand immer häufiger Anwendung in den Personalabteilungen. Dabei reichte das Spektrum von mehrstufigen Bewerbungsverfahren bis hin zu aufwendigen Präsentationswettbewerben, den sogenannten „Beauty-Contests“. Keine Frage: Mit immer mehr Know-how und Ansprüchen sind Manager und Personaler auf der Suche nach professionellen Coaches mit dem passenden Coaching. Fängt der intransparente Markt an, sich auf diese Weise selbst zu bereinigen?

Markteinblick

Selbstbereinigung über zwei Wege

Zwei Möglichkeiten gäbe es für den nicht mehr zu überblickenden Coaching-Markt, sich zu bereinigen, schreibt Prof. Dr. Stefan Kühl, Organisationspsychologe an der Universität Bielefeld, 2008 in der Wirtschaftspsychologie aktuell (Jg. 2008, Heft 2, „Vom Wunsch, eine Profession zu sein“). Den einen Weg sähe er in der Zunahme der Kundenkompetenz, die Guten von den Schlechten zu unterscheiden; den anderen in der Bestrebungsqualität der Coaching-Anbieter und Branchenvereinigungen, mit hochwertigen und praktikablen Professionsprofilen überzeugen zu können. Während ersterer sich zu verwirklichen begann (siehe „Brancheneinblick 2008“), hagelte es auch mal Kritik in Bezug auf die Ernsthaftigkeit der Professionalisierungsbestrebungen durch Anbieter und Verbände. Der Coaching-Markt mit seinen Anbietern sei zu heterogen, zu überfüllt mit konkurrierenden Einzelanbietern und zu breitgefächert mit all seinen Bindestrich-Coaches, als dass ein Professionsprofil daraus hervorgehen könnte. Und dass sich in deutschen Gefilden über 20 Berufsvereinigungen tummeln, trüge nicht gerade zur Qualitätssicherung der Profession bei – so die Kritikpunkte. „Diese Vielfalt ist einmalig“, zitiert managerSeminare im November 2008 den damaligen Vorsitzenden der ICF-Deutschland, Marius Hansa (managerSeminare, Jg. 2008, Heft 128, „Gut verbandelt?“). Tatsächlich wurde und wird diese Vielfalt von Markt-Beobachtern sehr unterschiedlich bewertet.

Neue Lebensregeln – Selbstoptimierung und Finanzkrise

Eine weitere Beobachtung prägte den Markt: Das „Gecoacht-Werden“ ist zu einem breit angelegten gesellschaftlichen Thema geworden. Das Image des Coachings hatte sich in den letzten Jahren gewandelt und war erneut im Umbruch, denn zum einen wurde unternehmensintern dem Entwicklungsinstrument mit mehr Professionalität und Erfahrungswissen begegnet. Außerhalb von Firmengebäuden fing man an, Coaching als „hipp“ zu etikettieren. Der dahinterliegende Trend verriet, warum: Selbstoptimierung war zu einer offenen Lebensweisheit geworden. Dass das Reflektieren des und das Arbeiten an sich selbst zur Optimierung der Lebensqualität beitragen kann, fand Akzeptanz. Erst Recht in einer Zeit, in der Orientierung und Rat gebende Leuchttürme wie Religion, Familie, Gemeinschaft, Politik, Arbeitgeber, etc. entweder stark in Veränderung begriffen waren oder stark an Vertrauen einbüßten. Mit Sicherheit haben Ereignisse wie die 2008 mit großer Wucht in Deutschland eingetroffene Finanzkrise, Datenklau-Skandale[1], Steuerhinterziehungen von Managern[2], Kindesmissbräuche von Priestern[3], usw. ihren ausschlaggebenden Anteil daran. Wie sollte man leben in einer Welt, in der man beruflich und privat von „Finanzzockern“ abhängig war, Dritte über private Daten verfügten und moralische Wertvorstellungen in vielen gesellschaftlich relevanten Bereichen abhandenzukommen schienen? In unsicheren Zeiten in einem geschützten Raum mit einem Menschen zusammen zu sein, der einen reflexiv und lösungsorientiert auf Wesentliches zurückbesann, erschien da segenreich – und weckt leider auch oft eine andere Seite: Wer privat und beruflich mit Sorgen und Nöten kämpft, wird empfänglicher für halbseidene Heilsversprechen. Das Scharlatanerie-Problem wurde verstärkt zu einem Problem auf dem Coaching-Markt.

[1] U.a. im Mai 2008 kam ans Licht, dass die Telekom über eine Spezialabteilung verfügt, die Verbindungsdaten auswertet und Anschlüsse überwacht. Zudem wurden Kundendaten weiterverkauft.

[2] Februar 2008: Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel, soll rund eine Million Steuern hinterzogen haben.

[3] Papst Benedikt XVI. reiste im April 2008 zum ersten Mal in seiner Amtszeit in die Vereinigten Staaten. "Keines meiner Worte könnte den Schmerz und den Schaden beschreiben, den solcher Missbrauch verursacht", erklärte er im Baseball-Stadion von Washington D.C..

Kurz und bündig: Das Verbandsjahr

Es war ein gelungenes Jahr für den DBVC, der mit dem Branchenereignis „DBVC Coaching-Kongress 2008“ für viel Aufmerksamkeit für das Thema Coaching und dessen Professionalisierung sorgte. Ein Coaching-Diskurs auf hohem Niveau war Realität geworden und von Relevanz! Denn Coaching findet eine immer breitere Akzeptanz in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen.

Und was ist noch passiert? 

+++ Wort des Jahres: „Finanzkrise“ +++ Die Finanzkrise ab 2007 wird deutlich +++ Der DAX verlor am 21.01.2014 innerhalb eines Tages über 500 Punkte +++ Barack Obama wird 44. Präsident der USA +++ Die Deutsche Post verliert ihr Briefmonopol +++ Kosovo wird offiziell unabhängig +++ Der Berliner Flughafen Tempelhof wird geschlossen +++ US-Forscher haben erstmals einen Embryo aus einer Hautzelle geklont +++ Spanien wird Fußball-Europameister +++ 19. Olympischen Sommerspiele in Beijing +++

Wussten Sie eigentlich, dass …

… im Jahr 2008 die Coaching-Branche die erste, nur auf das Thema (Business) Coaching fokussierte Zeitschrift erhielt – und zwar herausgegeben von Christopher Rauen, Geschäftsführer der Rauen GmbH und DBVC Vorstandsvorsitzender? Das „Coaching-Magazin“ erschien erstmalig 2008; zunächst noch als reines Online-Magazin, zwei Ausgaben später auch als Print-Produkt. Für den Herausgeber Christopher Rauen und damaligen Chefredakteur Thomas Webers war das Heft ein logischer Schritt vor dem Hintergrund der Branchenentwicklungen: „So war es nicht die Frage, ob es ein Coaching-Magazin geben wird, sondern nur, wann es soweit sein würde.“, schrieben sie im ersten Editorial des Magazins.

… sich die Stiftung Warentest 2008 erstmalig mit dem Thema (Karriere) Coaching auseinandersetzte? In einem Special beleuchtete das Test-Institut Möglichkeiten der Beratung für den persönlichen Berufsweg und beleuchtete verschiedene Beratungsformen – von Berufsfindungskursen über Bewerbertraining bis hin zu Coaching (http://www.test.de/Karriere-meistern-Fit-fuer-den-Neustart-1740005-0/, 13.03.14). Dabei wurde in einem Extra-Beitrag auf die richtige Auswahl eines Coachs hingewiesen, wofür u.a. der DBVC als Informationsquelle zitierte wurde. Fünf Jahre später, im Jahre 2013, testete die Stiftung Warentest Coaching-Weiterbildungen und veröffentlichte einen Kriterienkatalog mit Anforderungen an Ausbildungsangebote. Auch dabei wurde erneut auf die Expertise von DBVC-Mitgliedern zurückgegriffen.

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